Amalgam erneuern in der Stillzeit
Ich stille meinen Sohn (5 Monate) noch voll. Ich habe demnaechst einen Zahnarzttermin - nur Routineuntersuchung. Ich habe allerdings gehört, dass man sich während Schwangerschaft und Stillzeit keine bestehenden Amalgamfüllungen erneuern lassen soll - dadurch könnten Giftstoffe in die Muttermilch (bzw. den Körper des Babies) gelangen. Stimmt das? Was empfehlen Sie, falls eine Füllung notwendig ist? Vielen Dank im voraus für Ihre Antwort.
Ich weiß nicht so recht, wie ich Ihnen antworten soll oder anders gesagt, ob Sie eine wissenschaftliche Stellungnahme zu dieser Problematik akzeptieren oder lieber eine medienwirksame veröffentlichete Meinung von selbsternannten Experten hören wollen.
Bei jeder Reparaturmaßnahme an einem Zahn besteht ein geringes Restrisiko, was von dem Füllungswerkstoff ausgeht; bei Amalgam ist dies besonders gut untersucht und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als tolerierbar eingestuft worden. Bei den "in Mode gekommenen" weißen Füllungswerkstoffen fehlen diese gründlichen Langzeituntersuchungen gänzlich, deshalb läßt sich dabei das Restrisiko auch noch nicht abschätzen; dies kann geringer als das von Amalgam sein, ebenso ist es aber auch denkbar, dass es erheblich höher ist. Von Goldlegierungen als Füllungsmaterial (Goldinlay) wissen wir, dass diese äußerst biokompatibel sind, bei Keramikinlays ist zwar der Grundstoff Keramik ebenfalls hoch biokompatibel, allerdings werden diese Porzellanfüllungen mit Kunststoff eingeklebt und hier taucht wieder das nicht kalkulierbare Restrisiko auf.
Der Verzicht auf Amalgam in der Schwangerschaft und beim Kleinkind ist als reine Vorsichtsmaßnahme anzusehen, es gibt keine eindeutigen Untersuchungen, welche etwaigen Schäden bei diesen Personen durch das Amalgam belegen können. Gegen das Erneuern einer alten Amalgamfüllung während der Stillzeit sind mir ebenfalls keine Untersuchungen bekannt, welche bei fachgerechter Entfernung der alten und exakter Verarbeitung der neuen Füllung, dies verbieten würden. Wollen Sie allerdings das Restrisiko so gering wie möglich halten, so ist an ein Goldinlay zu denken oder, wenn dies Ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigt, an eine Übergangsfüllung aus einem Zementwerkstoff.
Lassen sie mich zum Abschluss noch ein Wort zur Relation sagen: die unstreitig höchsten (und unkontrollierten) Quecksilberbelastungen für den menschlichen Organismus stammen unstreitig aus Nahrungsmitteln (z.B. Fisch) und in Industriegebieten zusätzlich aus der Atemluft. Die Belastung aus Amalgamfüllungen wird mit Werten von 5-10% angegeben. Weitere Infos zu der von Ihnen angesprochenen Frage finden Sie in meinem Lexikon und den weiterführenden Links.
Dr. de Cassan
