Entwicklung vom Gehirn bei Babys
Das Gehirn eines Neugeborenen wiegt ein Viertel von dem eines Erwachsenen. Doch in nur 12 Monaten verdoppelt sich sein Gewicht. Schon im ersten Vierteljahr ereignet sich im Baby-Gehirn ein wahres Entwicklungs-Feuerwerk. Gesteuert durch eine Flut von Sinnesreizen und frühkindlichen Erfahrungen entsteht ein Netzwerk mit aus bis zu 100 Billionen Schaltstellen, rund 100 Millionen Gehirnzellen werden miteinander verknüpft.
Anders als lange Zeit angenommen, sind Babys von Anfang an wissbegierige, neugierige Menschen, denen es nicht nur darauf ankommt, satt, sauber und sicher zu sein - sie brennen auch darauf, alles um sich herum zu ergründen, und zwar nicht nur aus diffuser Langeweile, sondern ganz gezielt, um es zu begreifen. Sie wollen herausfinden, nach welchen Gesetzen, nach welchem Muster, nach welchen Spielregeln das Leben abläuft.
"Babys haben von Geburt an ein zentrales Bestreben nach Bildung und zur Prüfung von Hypothesen über das, was in der Welt geschieht", sagt der amerikanische Psychologe Jerome Bruner. Im Experiment ist es Wissenschaftlern gelungen, das enorme Intelligenz-Repertoire der Säuglinge nachzuweisen. Zwei Wochen alten Neugeborenen etwa wurden mit dem Kassettenrekorder Stimmen vorgespielt. Wenn ihre Mutter die Lippen bewegte, sie aber eine andere Frauenstimme hörten, zeigten sie deutlich Unruhe. Ebenso schauten sie irritiert, wenn die Stimme der Mutter von der Seite aus einem Lautsprecher, statt wie erwartet von vorne kam. Sechs Tage alte Kinder waren in der Lage, die Mimik ihrer Eltern nachzuahmen, zum Beispiel wenn ihnen der Vater die Zunge herausstreckte. Drei Monate alten Kindern gelang es bei einem Test, einen Diaprojektor scharf einzustellen. Im Inneren eines Schullers war ein Druckregulator angebracht - die Babys hatten schnell heraus wie sie saugen mußten, um das Bild für einige Sekunden zu focusieren.
Andere Kinder wurden unter ein Mobile gelegt, das per Schnur mit Hand und Fuß verbunden war. Sie lernten schnell, wie das Spielzeug durch Strampeln zum Schwingen gebracht werden konnte. Auch als sie Tage später ohne Schnur unter das Mobile gelegt wurden, bewegten sie sich entsprechend. Die verstärkte Aufmerksamkeit im dritten Lebensmonat und die Fähigkeit zu kleinen Variationen des Bekannten, interpretieren Wissenschaftler als Folge einer Reifung des Gehirns. Das Baby, so die Vermutung, kann Erlebnisse nun bereits mit einem kleinen Schatz von Erinnerungen vergleichen.
Was aber muß geschehen, damit aus der Konfusion im Gehirn eines Neugeborenen der Geist eines Erwachsenen wird? Hirnforscher wissen inzwischen, daß die Entwicklung von Intelligenz in einem permanenten Wechselspiel von Erbanlagen und Erfahrungen steht. Das menschliche Gehirn wächst nicht einfach so vor sich hin wie andere Körperteile. Um seine Lernfähigkeit zu entfalten braucht es Impulse, Umweltreize. Forscher haben herausgefunden, dass vor allem Emotionen der Schlüssel zur Intelligenz sind. "Gefühle bestimmen die Architektur des Gehirns", sagt der US-Psychiater Stanley Greenspan. Der Säugling kann die Flut der einströmenden Informationen noch nicht interpretieren. Dafür braucht er eine Ordnungskraft, die seinen Wahrnehmungen Bedeutung verleiht - seine Gefühle. Je mehr Eltern also die emotionale Entwicklung ihres Kindes fördern - auf seine Bedürfnisse eingehen, es streicheln, ihm Nestwärme geben - desto fundierter wird auch sein geistiges Fundament sein.
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