Die Hausgeburt
Früher war es üblich, dass Frauen ihre Kinder zu Hause zur Welt brachten. Der Weg ins Krankenhaus war die Ausnahme. Heute ist es genau umgekehrt. Neun von zehn Babys werden im Krankenhaus geboren. Erst in den letzten Jahren kam bei vielen Frauen wieder der Wunsch auf, ihr Kind in den eigenen vier Wänden zu bekommen. Die meisten Frauen könnten gefahrlos zu Hause entbinden. Nur wenn es zu Komplikationen während der Schwangerschaft kam bzw. gravierende Risikofaktoren vorliegen, ist eine Hausgeburt zu riskant.
Pluspunkte
Erfahrungsgemäß ist die Geburt in den eigenen vier Wänden für Mutter und Kind mit vergleichsweise wenig Streß und Hektik verbunden. Zu den vielen Vorzügen gehört, daß Sie Ihr Baby in einer vertrauten Atmosphäre zur Welt bringen können. Hektik und Streß bei der Aufnahme im Krankenhaus entfallen ebenso wie die in vielen Kliniken obligatorischen Vorbereitungen (z.B. Anmeldeformalitäten, Rasieren der Schamhaare) der Schwangeren auf die Geburt und das manchmal quälende Warten aufs Baby im Kreißsaal. Und: Niemand schickt die Schwangere nach Hause, wenn das Baby auf sich warten läßt. Kurzum: Klinikroutine ist für die Frau bei einer Hausgeburt kein Thema. Die Hebamme ist ausschließlich für die werdende Mutter da, sie betreut die Entbindung vom Anfang bis zum Ende. Außerdem sind bei Hausgeburten erfahrungsgemäß weniger Schmerzmittel notwendig.
Ein wichtiger Grund dürfte sein, daß der ganze Geburtsablauf stärker an individuellen Wünschen und Bedürfnissen orientiert ist. Die Schwangere bestimmt, wie sie die Stunden vor der Geburt verbringt. Sie können telefonieren, mit wem Sie wollen, die Musik hören, bei der Sie am besten entspannen, lesen, was Sie beruhigt und sich bewegen, wie es Ihnen gut tut. Die Zeit zwischen den einzelnen Wehen gestalten Sie so, wie es für Sie am angenehmsten ist. Wie sie die Wehen am besten veratmet, entscheidet einzig und allein die werdende Mutter. Und sie ist es auch, die entscheidet, in welcher Position sie ihr Baby gebären will: traditionell im Liegen oder auch in der Hocke sitzend.
Kein Kinderspiel
Aber bei all diesen Pluspunkten, die für die Seele Balsam sind, sollte man auch realistisch bleiben. Eine Hausgeburt ist kein Kinderspiel! Es kann auch eine Belastung für Sie und für Ihre Familie werden. Bevor Sie sich zu einer Hausgeburt entschließen, sollten Sie auf jeden Fall folgendes beachten: Die Geburt zu Hause muß sorgfältig vorbereitet werden. Bei den Vorbereitungen hilft eine Checkliste. Telefonnummern von Hebamme, Arzt, Taxi und Krankenhaus griffbereit aufbewahren. Das Zimmer, in dem Sie entbinden, sollte leicht zu säubern sein. Sie brauchen ausreichend Wäsche.
Verfügt die Hebamme über ein Sauerstoffgerät zur Beatmung? Das kann im Notfall lebenswichtig sein. Vergewissern Sie sich rechtzeitig, ob Ihr Arzt im Notfall zur Verfügung steht und wo Sie ihn im Falle eines Falles erreichen. Wie weit ist es bis zur nächsten Klinik? Sie sollte innerhalb von höchstens 30 Minuten zu erreichen sein, wenn die Geburt tatsächlich im Krankenhaus beendet werden muß. Bedenken Sie auch, daß Sie nach der Geburt mindestens zwei Wochen brauchen, um selbst wieder voll aktiv zu sein, das heißt, Sie brauchen in dieser Zeit eine Hilfe für den Haushalt. Die Hebamme unterstützt Sie zwar in den ersten 10 Tagen nach der Geburt, aber die junge Mutter muß selbst darauf achten, daß Sie sich anfangs nicht zuviel zumutet.
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