Musik in der Schwangerschaft
Musik - Nahrung für die Seele
"In der Erziehung der Zukunft wird die Musik ebenso wichtig wie heutzutage Lesen und Schreiben. Man wird deutlich erkennen, dass Musik eine höchst wirkungsvolle Möglichkeit ist, Leben, Gesundheit und Kraft zu erlangen."
Prentice Mulford
Wussten Sie, dass Babys bereits im Mutterleib einen eigenen Musikgeschmack entwickeln?
Beobachten Sie, wie Ihr Baby auf Klänge reagiert! Vielleicht mag es Entspannungsmelodien oder schwebt auf Wolke sieben bei Mozarts "Kleine Nachtmusik"!
Von Petra Neumayer
Hören ist die erste sinnliche Erfahrung, die Ihr Baby schon im Mutterleib macht: Am siebten Tag nach der Zeugung ist das Ohr als kleiner Punkt erkennbar, und als allererstes Sinnesorgan ist es schon ab Mitte des vierten Schwangerschaftsmonats voll ausgebildet. Dass bereits Ungeborene auf Töne freudig reagieren, ist keine neue Erfindung der Musikbranche, sondern gilt längst als wissenschaftlich abgesichert - spätestens seit dem Jahr 1981, als der Pariser Hals-Nasen-Ohren-Arzt Alfred Tomatis seine erste bahnbrechende Studie "Der Klang des Lebens" veröffentlichte und dadurch große Beachtung erlangte. Natürlich brauchen wir die Ohren zum Hören und für unseren Gleichgewichtssinn, aber darüber hinaus entdeckte Tomatis, dass durch Töne Schwingungen erzeugt werden, die das Gehirn direkt mit Energie füttern. Deshalb wirkt sich der Hörsinn besonders prägend auf die Entwicklung des Fetus aus.
Das Gehirn wird stimuliert
Vera Brandes, Musikwissenschaftlerin und Psychologin, erklärt das so: "Die Frequenzen der Musik stimulieren bestimmte Bereiche des Gehirns und wirken unmittelbar auf das limbische System, mit dem Effekt, dass die mentalen und auch die körperlichen Koordinationsfähigkeiten angeregt und harmonisiert werden." In Florida will man sogar wissen, dass musikbegeisterte Babies die klügeren Erwachsenen werden. Der US-Bundesstaat möchte daher werdende Mütter in Zukunft mit Klassik-CDs bestücken!
Achtung Lärmquellen!
Es ist äußerst wichtig, das Baby vor lärmenden Geräuschkulissen oder einer Dauerberieselung, wie etwa ständigem Radio- oder Fernsehsound, zu bewahren. Denn auch im späteren Lebensverlauf wird das Kind seine Tonwahrnehmung umso feiner unterscheiden können, je behutsamer seine Umgebung mit der akustischen Welt umgegangen ist.
Das Baby hört alles
Einem Neugeborenen ist es nicht möglich, sich von den für ihn unangenehmen Geräuschen innerlich zu distanzieren: Es reagiert auf unschöne Klänge mit einer Änderung von Puls- und Atemfrequenz. Auf Worte und Töne der Freude und Wärme in Kombination mit der seelischen Zuwendung der Mutter, äußern sich Ungeborene und Neugeborene hingegen mit freudiger Erregung - und: Schon im Mutterleib besitzt der Fetus eine musikalische Unterscheidungsfähigkeit.
Musikalische Babyhitparade
Schwangere berichten darüber, wie Ungeborene z.B. auf Rockmusik oder harte Rhythmen mit Unruhe reagieren, auf harmonische Klänge hingegen mit Wohlgefühlen. Und das Erstaunliche: Auch nach der Geburt erinnert sich das Baby an die Musikstücke, die es schon im Mutterleib gerne hörte. Das bestätigte ein Experiment mit Neugeborenen in der Pariser Klinik Beaudeloque: Beim Hören eines ihnen bekannten Musikstückes nuckelten die Babies auf eine ganz bestimmte Art und Weise an ihren Schnullern und fühlten sich dabei sehr entspannt und wohl. Auch auf der Frühgeborenen-Station lässt sich dieses Phänomen nachvollziehen. Musikstücke oder Lieder, die die Mutter ihrem Kind während der Schwangerschaft vorgespielt oder vorgesungen hat, werden auf eine CD aufgenommen und dem Frühgeborenen direkt in den Brutkasten übertragen. Fazit: Die musikliebenden Babys können die Frühchenstation weitaus eher verlassen als Babys ohne musikalischen Support. In Amerika ging man noch einen Schritt weiter: Wissenschaftler fanden heraus, dass Frühgeborene schneller zunehmen und sich besser entwickeln, wenn ihnen ein ganz bestimmtes Musikstück vorgespielt wird: "Brahms Wiegenlied".
Doppeleffekt: Gut für Baby und Mama
Da eine schwangere Mutter ihre Gefühle auf ihr Kind überträgt, ist es naheliegend, dass schöne Entspannungsmusik gleich eine Zweifach-Wirkung besitzt: Einerseits über die Gefühle, die das Musikstück beim Kind auslöst und andererseits über die positiven Emotionen, die bei der Mutter entstehen und auf ihr Ungeborenes übertragen werden. Moderne Verlage für Entspannungsmusik nutzen für diesen "Doppeleffekt" neueste Techniken, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Ein tiefer Entspannungszustand tritt dann ein, wenn die Pulsfrequenz bei 60 Schlägen pro Minute liegt und dieser Zustand eine Weile gehalten wird.

Der Sound fürs Baby
Daher wird Entspannungsmusik genau im Rhythmus von 60 Schlägen pro Minute aufgenommen (z. B. Sound Life GmbH, mentalis Verlag, Verlag für therapeutische Medien Arnd Stein). Nicht nur Entspannung, sondern auch Freude beim Hören versprechen darüber hinaus die speziell entwickelten Babyproduktionen aus den Häusern Sony, Prenatal und New Life Records. Sicher - dass diese gleichmäßige Musik zu entspannen vermag, sei ganz unbestritten. Eine weitaus tiefere Wirkung sollen aber Aufnahmen von klassischer Musik haben. (Emi Classic: Music for my Baby I and II, SCA-Serviccenter: Große Meisterwerke für kleine Ohren). Uwe-Ralph Fricke, Pädagoge für Hörerziehung: "Klassische Musik ist ein Ausdruck ganzheitlicher Harmonie, deshalb reagieren sowohl das Ungeborene und das Neugeborene besonders dankbar darauf, weil sie sich noch in der Ganzheit befinden."
Klassische Musik summen
Für Fricke ist klassische Musik noch viel mehr als Mittel zur Entspannung, er bezeichnet sie als "Nahrung für die Seele". Aus seinen Kursen und der Einzelarbeit mit Schwangeren hat er noch einen wertvollen Tipp für die werdende Mama: "Summen Sie die klassischen Melodien, auf die Ihr Kind mit Freude oder Entspannung reagiert, selbst mit. Denn wenn das Baby dann auf der Welt ist, können Sie ihm die Melodien zur Besänftigung jederzeit vorsummen, speziell dann, wenn kein CD-Player in der Nähe ist." Ein Wunder ist durchs Musikhören allerdings nicht zu erwarten, denn kleine Schreihälse schlafen dadurch auch nicht schneller ein - aber dafür entspannter!
Musikstücke, die Babys besonders lieben:
Mozart: Die kleine Nachtmusik, Largo aus dem 21. Klavierkonzert, Konzert für Flöte und Harfe C-Dur, Violinkonzert Nr. 5 A-Dur Beethoven: Adagio aus dem 5. Klavierkonzert
Brahms: Wiegenlied
Bach: Flötensonaten, Choral "Wachet auf ruft uns die Stimme" aus BWV Cantate 140
Vivaldi: Die vier Jahreszeiten, Flötenkonzerte, Violinkonzerte
Magazin "Schwangerschaft und die Zeit danach"

